ARTIST und ART DABBLER: Software für den Kunstunterricht 

Mit ARTIST und ART DABBLER sind zwei preisgünstige Programme auf dem Markt, die im künstlerischen Bereich Tür und Tor zu öffnen scheinen. Sie bieten dem User eine schier unendliche Welt an kreativen Potentialen, in der beinahe jedes mit jedem kombinier-, manipulier- und modifizierbar ist. Für den Einsatz im Kunstunterricht müssen die beiden Programme differenziert betrachtet werden.  

ARTIST 

Das Bildbearbeitungs- und Zeichenprogramm ARTIST, das im Desktop-Aufbau und Werkzeugangebot an eine abgespeckte Version von Photoshop erinnert, hält eine immense Anzahl an Tools bereit. Diese werden in gewohnt übersichtlicher Weise auf einer horizontalen Menü- und einer vertikalen Symbolleiste präsentiert und je nach gewähltem Modus (Anfänger, Fortgeschrittene und Profis) in unterschiedlicher Qualität und Quantität zur Verfügung gestellt. Im Rahmen dieser Modi erlaubt ARTIST sowohl freies Zeichnen als auch die Bearbeitung von eingescannten Fotos oder sonstigen digitalisierten Bildern. Über die Twain-Schnittstelle werden sie direkt und bequem auf den Desktop transportiert, wobei unterschiedliche Dateiformate automatisch in das JPEG-Arbeitsformat umgewandelt werden.  
 
Viele Symbole, wie der Drucker oder Radierer erklären sich von selbst. Weitere sind ohnehin von anderen Windows-Anwendungen bekannt. Weniger gebräuchliche Ikons können über die Windows 95 üblichen Hilfefunktionen abgefragt werden. Abgesehen von einigen mißverständlichen Erläuterungen präsentiert ARTIST sich von Beginn an als ein Programm mit großer Variationsbreite an kreativen Möglichkeiten sowie vertrauter und komfortabler Verwendung von Werkzeugen und importiertem Material. 
 
Im Hinblick auf einen sinnvollen Einsatz von ARTIST im Kunstunterricht muß zwischen systematischem Layouten und freierem explorativen Arbeiten unterschieden werden. Während im textlichen Bereich Kombinationen mit Bildern nur sehr schwer zu erstellen sind, sind im Bereich der Bildbearbeitung für Phantasiebilder oder Verfremdungen keine Grenzen gesetzt.  
 
So ist das Angebot an Werkzeug-Kombinationen zweifelsohne gigantisch. Der Pinsel hat z.B. im Profi-Modus neben 16 unterschiedlichen Werkzeugspitzen (von quadratisch bis fleckig), unterschiedlichen Größen (1-99), Kanten (1-99) und 15 verschiedenen Untergründen (von Ziegel bis Holz) natürlich auch noch die ganze Variationsbreite an farbigen Vorder- und Hintergründen. Effekte, die auf konventionellem Weg nicht darstellbar sind, lassen sich generieren, z.B. Gitter über Schrift oder Kruste über Gitter über Schrift oder Marmor über Kruste über Gitter über Schrift usw. Wer hier die Übersicht behält, kann an Kombinationen das Unmögliche möglich machen. Sollte daher im Kunstunterricht das Thema „experimentelle Bildbearbeitung" oder „freies digitale Gestalten" behandelt oder die Möglichkeiten digitaler Bildproduktion visualisiert und problematisiert werden, eignet sich ARTIST hervorragend. Sollten jedoch im Bereich der Bildbearbeitung spezielle Collagen, Fotomontagen oder -retuschen erstellt bzw. weiterverarbeitet werden, so bedarf es eines äußerst systematischen Vorgehens. Dem gezielten Arbeiten steht aber eine riesige Werkzeugpalette gegenüber, die zum Auskundschaften geradzu reizt. Dadurch besteht die Gefahr, dass sich der Unterricht mit „tollen" Effekten und Kombinationshaschereien verselbständigt.  

DABBLER 

Bei diesem Programm handelt es sich in erster Linie um Mal- und Zeichensoftware, bei der viele Werkzeuge, wie Sprühfarbe, Wachsmalstift oder Ölfarbe konventionelle Medien simulieren. Dies ist im Grunde nichts außergewöhnliches. Bei ART DABBLER allerdings wird sogar die traditionelle Arbeitsumgebung simuliert. So werden eine ganze Reihe Tools in einem übersichtlichen Schubladensystem angeordnet. Um diese Tools anzuwählen, müssen die Schubladen an einem Griff geöffnet und wieder geschlossen werden. Hier formt sich der Mauscursor bezeichnenderweise zu einer Hand um und der Sound simuliert ein „Auf- und Zuklappen". Auch sind einzelne „Papier-Bögen" in Skizzenblöcken abgelegt, die mit einer Vor- und Zurücktaste durchgeblättert werden können und bei Nichtgefallen in den Papierkorb wandern. Zudem werden die Werkzeuge fast ausnahmslos naturgetreu abgebildet.  
 
Das Nachfolgeprogramm von DABBLER (Fractal Design) ist um einige Funktionen wie Daumenkino und animierten Cartoons erweitert worden. Beim Aufrufen des betreffenden Lernprogramms öffnet sich ein weiteres Feld, in dem trickfilmartig und mit Sound unterlegt, einzelne Schritte auf dem Weg zu eigenen Cartoons demonstriert und auch erklärt werden. Dass dies in Anlehnung an Edutainment-Programme „auf unterhaltsame Weise" präsentiert wird, versteht sich fast von selbst.  
 
Scannen ist auch hier über eine Twain-Schnittstelle möglich, die ein komfortables Handling erlaubt. Die Weiterverarbeitung des importierten Materials ist bei ART DABBLER im Gegensatz zu ARTIST allerdings einfacher. Da ein eingescanntes Foto beispielsweise auf eine leere Seite plaziert wird, ist es möglich auch über die Grenzen des Fotos hinweg zu malen oder zu schreiben.  
 
Im Bereich der Bildverarbeitung hält ART DABBLER etwas weniger Werkzeuge bereit. Dies kann sich jedoch auf den produktiven Kunstunterricht nur positiv auswirken, da der Anreiz zu wahllosem „Herumklicken" geringer ist. Auch mit eingeschränkterem Repertoire können beeindruckende Collagen, Montagen oder Retuschen sowie Text-Bild-Kombinationen und freie Gestaltungen realisiert werden. Bereits die frühere Version von ART DABBLER wurde vom Landesinstitut für Schule und Weiterbildung in Soest sehr positiv bewertet. Mit der aktuellen Version steht ein überaus solides Programm zur Verfügung, mit dem im freien kreativen Bereich auch ohne besondere Computervorkenntnisse gearbeitet werden kann. Wer sich erstmals mit Schülern auf das Gebiet der digitalen Bildverarbeitung vorwagen möchte, dem kann ART DABBLER nur empfohlen werden.  

ARTIST (Bezug): Mitcom Neue Medien GmbH, Anglerstraße 6, 80339 München, Tel.:089-5003320, Fax: 089-50033222, http://www.mitcom.de, ca. DM 50,- 

ART DABBLER (Bezug): Funware, c/o CKS Realtime, Postfach 701647, 22016 Hamburg, Tel.: 0180-5323666, Fax: 0180-5323662, http:// www.kaikrause.de,  
ca. DM 100,-