Ernst Wagner, Computer und Kunstunterricht

Ziele des Computereinsatzes im Fach Kunsterziehung

Die Möglichkeitem digitaler Gestaltung haben die Welt der Bilder verändert, in der Kunst, in den angewandten Künsten und in der Alltagsästhetik. (Und sie hat unser Bild von der Welt verändert.) Dem hat sich das Fach Kunsterziehung zu stellen. Wenn es zudem stimmt, dass die Kommunikation in der Informationsgesellschaft zunehmend über "Bilder" funktioniert, eröffnet sich für das Fach eine große Chance, da in keinem anderen der Umgang mit Bildern (Bilder erzeugen und "lesen") gelehrt wird.

 

Computer als Werkzeug

Die "Neuen Medien", soweit sie unter dem Zeichen der digitalen Revolution für das Fach Kunsterziehung bedeutsam sind, berühren vier Schwerpunkte: Printmedien, Animation und Video, Multimedia, Internet. 
 

Printmedien 

Text und Layout, digitale Bilderstellung und -bearbeitung

Animation, Video

Videoaufnahme und -postproduktion, mediales Spiel 

Multimedia

Hypermedia, Computerspiel, Lernprogramm, Simulation 

Internet

Kooperationsformen, Gestaltung von Kommunikation

Simultane Bildsprache Sequentielle Bildsprache Interaktive Bildsprache Interaktive Bildsprache
Einsatzbeispiele im Unterricht: Zeitung, Plakat, Prospekt, angewandte Grafik, Design, Fotobearbeitung Trickfilm, Videodokumentation, Spielfilm, Trailer, Musikclip, aber auch experimentelles Theater und Installationen Präsentationen, Referatbegleitung, "Point of Information", (Lern-) Spiel, Simulation Homepage, Projektarbeit im Netz, Lernprogramme, Projektdatenbanken
 

In diesen Beispielen wird der Computer als Werkzeug bei Gestaltungsaufgaben benützt, d.h. Schüler entfalten im Unterricht mit dem Computer spielerisch und frei ihre schöpferischen Kräfte oder sie gestalten Information für eine authentische, zweckgerichtete Kommunikation (Kommunikationsdesign). Die bestehenden Lehrpläne verpflichten nicht zum Computereinsatz, sie machen ihn aber in sehr vielen Fällen möglich und sinnvoll.

 

Computer als Gegenstand des Nachdenkens

Soweit der enge Zeitrahmen des Faches es zuläßt, wird der Computer als Medium v.a. aber auch Gegenstand der Reflexion sein. Dies kann am sinnvollsten an den mittlerweilen herausragenden Beispielen der Medienkunst innerhalb der Kunstgeschichte geleistet werden, jedoch auch an Fragen der Alltagsästhetik und der Medienerziehung.

 

Hardwareausstattung

Die für den Kunstunterricht in Frage kommenden Programme unter Windows verlangen eine leistungsstarke Hardware mit entsprechender Zusatzausstattung (Scanner, Farbdrucker, S-W-Laserdrucker, Videoschnittstellen, Soundkarte, großer Monitor, große Arbeits- und Massenspeicher).

 

Einsatzformen

Zwei Modelle für den Einsatz des Computer im Kunstunterrich haben sich bewährt: Entweder steht ein oder es stehen einzelne Rechner (sinnvoll mit Scanner) im Zeichensaal, an denen maximal kleine Schülerteams arbeiten, während die anderen die gestellten Aufgaben mit traditionellen Techniken lösen. Oder es steht - analog zum Fotolabor - ein eigenes "Computerlabor" zur Verfügung, das im regulären Unterricht, in Kursen oder im Wahlunterricht genützt werden kann. In jedem Fall bietet es sich an, fächerübergreifend, arbeitsteilig, selbständig und auch einmal außerhalb des Stundenrhythmus an Projekten zu arbeiten. Das gehört auch zur traditionellen Kultur des Fachs.

Der Einsatz von Bilddatenbanken in Kombination mit Beamern als Alternative zur Diaprojektion wird im Moment erprobt.

 

Materialien

1. Werkzeuge

Für die skizzierten Gesaltungsaufgaben gibt es eine breite Palette von Software. Die Angebote reichen von z.T. sehr guten Sharewareversionen bis zu ausgezeichneter Profi-Software. Die hier genannten Programme sind erprobt. Die Liste erhebt in keiner Weise den Anspruch auf Vollständigkeit. (Einen guten Überblick gibt die Datenbank SODIS.)

Pixelorientierte Malprogramme:Paintshop Pro, Corel-Photopaint, Micrografx Picture Publisher 
Vektororientierte Grafikprogramme:Corel Draw, Micrografx Designer 
Bildbearbeitungsprogramme: Photoshop, Paintshop Pro, Corel-Photopaint, Micrografx Picture Publisher 
Layoutprogramme: Pagemaker 
Animationsprogramme: Autodesk Animator 
3D-Programme: 3D-Studio max 
Filmschnittprogramme: Adobe Premiere 
Multimediasysteme: Macromedia Director, Authorware, Medi 8 or 
Interneteditoren: Frontpage, Hotdog

 

2. Multimedia-CD-Roms

Einige derzeit auf dem CD-ROM-Markt verfügbaren Titel über Künstler und Museen / Sammlungen sind für den Unterrichtseinsatz gut geeignet. Die Begegnung mit Kunstwerken durch diese Multimediaanwendungen ist in erster Linie für die Vorbereitung von Referaten, Facharbeiten, Klassenfahrten und im Projektunterricht geeignet. (Lernprogramme stehen nicht zur Verfügung.) Einige Beispiele:

Medienkunst

- ZKM Karlsruhe: art in tact 1-4 (Reihe wird fortgesetzt) 1996 - 
- Goethe-Institut, ZKM: Medien Kunst Aktion 1998 
- Ars-Electronica: Ars Electronica 94, Systhema 1995 
- Die Veteranen, Systhema 1994

Medien allgemein

- Cinemania, Microsoft 1997 
- Stadtmuseum München, Bewegende Werbung, MGM 1996

Museen und Sammlungen

- A Passion for Art - Renoir, Cézanne, Matisse and Dr. Barnes, Corbis Publishing 1995 
- Le Louvre, Imagine the world 1995 
- Belvedere Wien: Ein interaktiver Spaziergang, Edition Factory 1996 
- Uffizi, Scala 1995 
- ZKM, 100 Masterpieces - Aus der Sammlung des VitraDesign Museums, 1996

Zu Künstlern

- Leonardo der Erfinder 
- Leonardo da Vinci, Mille Médias 1995 
- Michelangelo, Telemedia Bertelsmann 1995 
- Bayer. Verwaltung der staatl. Schlösser, Gärten und Seen, Der Himmel auf Erden, Tiepolo in Würzburg, M2 1996 
- Escher Interaktiv, Dumont 1996 
- Sprengelmuseum Hannover, HBK Braunschweig, Max Beckmann, Schlütersche 1998 
- Nam June Paik, Systhema 1997

Zu Epochen

- Florenz in der Renaissance, Telemedia Bertelsmann 1995 
- Die Medici, Telemedia Bertelsmann 1995 
- Lenbachgalerie München, Der Blaue Reiter, 1997 
- Documenta-Archiv, documenta 1-9, CIS 1997

Lexika

- Belser Lexikon der Kunst und Stilgeschichte, Belser 1997

 

3. Internetadressen

Zentraler Verteiler

 

4. Literatur

Der bayerische Landesbeauftragte für Computereinsatz im Kunstunterricht gibt regelmäßig eine jeweils aktualisierte, kommentierte Literaturliste heraus, die bei ihm (Adresse s.u.) bezogen werden kann. Die wichtigsten Titel aus dieser Liste:

· Landesinstitut für Schule und Weiterbildung, Soest, (Kabzinski-Kenkmann Hrsg.), Digitale Bilder im Kunstunterricht (Werkstattbericht 10) 1994 
Unterrichtsprojekte zum klassischen Thema "Schriftgestalt und Inhalt" und zum Thema digitale Fotomontage, ebenso 23 anregende Beispiele. Sehr gut und lehrreich die Reflexion der Erfahrungen eines Künstlers (H. Eichinger), der zum erstenmal mit Computer und Grafiktablett arbeitet und nun dies mit den traditionellen Verfahren der Grafikerstellung vergleicht.
· Akademie für Lehrerfortbildung Dillingen, Computer ist mehr - Multimedia und Schule, München 1995 
Auf knapp 550 Seiten Praxisberichte und theoretische Ausführungen, die im Zusammenhang mit einem zweijährigen Fortbildungsmodell an der bayerischen Lehrerfortbildungsakademie in Dillingen in den Fächern Deutsch und Kunsterziehung entstanden sind. Allumfassender Reader für ruhige Musestunden.
· Werner Faulstich, Gerhard Lippert (Hrsg), Medien in der Schule, Paderborn 1996 
Breitgefächertes Werk, das den Computer in den medienpädagogischen Kontext von Werbung, Comic, Trickfilm, Video, Buch und Theater stellt. Computerspezifische Beiträge: Jutta Gruber über mediales Theater; Huber-Thoma über die Veränderung des Menschenbilds; Schindler/Wiemken über Computerspiele; Ernst Wagner über Multimedia- und Internet-Projekte.
· Wolfgang Zacharias (Hrsg.), Interaktiv - Im Labyrinth der Möglichkeiten, Remscheid 1997 
Der Ergebnisband der gleichnamigen Münchner Tagung von 1996 mit einer Fülle von Beiträgen unterschiedlichster, einschlägiger Autoren. Ein hochinteressantes Dokument der intensiven Beschäftigung der aus der Spielpädagogik (Pädaktion) stammenden, außerschulischen Ästhetischen Erziehung mit den Neuen Medien.
· Ernst Wagner, Auf der Höhe der Zeit - Zum Berufsbild des Kunsterziehers; in: BDK-Mitteilungen 2/98, S.16 
Überlegungen zum Berufsbild des Kunsterziehers in der Mediengesellschaft
 

5. Ansprechpartner in Bayern

Zentralstelle für Computer im Unterricht, StD Brockmann 
Schertlinstr. 9, 8659 Augsburg, email: brockmann@zs-augsburg.de

Der Landesbeauftragte für den Computereinsatz im Fach Kunsterziehung, Ernst Wagner 
Gymnasium Ottobrunn, Karl-Stieler-Str.1, 85521 Ottobrunn 
Tel: 089/6019491, Fax: 089/6062621, email: ernst.wagner@extern.lrz-muenchen.de

Staatsinstitut für Schulpädagik und Bildungsforschung, OStR Olschewski 
Arabellastr. 1, 81925 München

Akademie für Lehrerfortbildung und Personalführung, StD Büchner 
Kard.-v.-Waldburg-Str.6, 89401 Dillingen, email: hcrbuech@dillingen.baynet.de